Anubis

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Anubis
Typ Totengott / Schutzgott der Mumifizierung
Herkunft / Ursprung Altes Aegypten
Erscheinung Mann mit Schakalkopf oder schwarzer Schakal
Fähigkeiten Schutz der Toten, Leitung des Totengerichts, Bewachung von Graebern
Erste Erwähnung Altes Reich; Pyramidentexte (3. Jahrtausend v. Chr.)
Verbreitung Aegyptische Religion; spaeter auch griechisch-roemischer Synkretismus

Anubis (aegyptisch oft als Inpu oder Anpu wiedergegeben) ist einer der bekanntesten Goetter des alten Aegypten. Er ist der Schutzgott der Einbalsamierung, der Friedhoefe und der rituellen Uebergaenge zwischen Leben und Tod. In Darstellungen erscheint er meist als Mann mit Schakalkopf oder als schwarzer Schakal, der ueber Sarkophage, Kanopen und Grabanlagen wacht.

Warum Anubis einen Schakalkopf traegt

In den Wuesten am Rand des Niltals hielten sich Schakale und wilde Hunde haeufig in der Naehe von Nekropolen auf. Was fuer die Lebenden bedrohlich wirkte, wurde religioes umgedeutet: Statt Grabraeuber der Toten wurde Anubis zum goettlichen Waechter der Graeber. Seine schwarze Farbe steht nicht fuer Fellfarbe, sondern fuer Fruchtbarkeit, Nilschlamm und die Farbe regenerierter Mumienkoerper. Anubis vereint damit zwei Gegensaetze: Verwesung und Schutz, Tod und Erneuerung.

Anubis war aelter als Osiris

In sehr fruehen aegyptischen Texten wirkt Anubis wie der urspruengliche Herr der Totenriten. Er begegnet bereits in den Pyramidentexten des Alten Reiches und begleitet den verstorbenen Koenig im Uebergang ins Jenseits. Erst spaeter, als der Osiris-Kult immer wichtiger wurde, rueckte Osiris in den Mittelpunkt der Unterwelt. Anubis verlor dadurch nicht an Bedeutung, sondern bekam eine praezisere Rolle: nicht mehr oberster Totenherr, sondern der Gott, der den Weg dorthin sichert.

Der Gott der Mumifizierung

Im Mythos um Osiris spielt Anubis eine zentrale Rolle bei der Behandlung des goettlichen Leichnams. Er einbalsamierte den zerstueckelten Koerper des Osiris und wurde so zum Vorbild aller Priester, die Mumifizierungen durchfuehrten. Bei Begrabnisriten trugen Priester zum Teil Schakalmasken, um Anubis symbolisch gegenwaertig zu machen. Darum erscheint er auf Sargwaenden, Leinenbaendern, Grabamuletten und in Ritualtexten besonders haeufig.

Das Wiegen des Herzens

Eine seiner bekanntesten Aufgaben erfuellt Anubis im Totengericht. Im sogenannten Saal der beiden Wahrheiten fuehrt er den Verstorbenen zur Waage und vergleicht dessen Herz mit der Feder der Ma'at. Ist das Herz leicht genug, darf die Seele in das verklaerte Jenseits eintreten. Ist es schwer von Schuld, wartet Ammit - die "Verschlingerin der Toten" - und vernichtet die Existenz des Verurteilten endgueltig. Anubis ist dabei nicht Richter im modernen Sinn, sondern Garant der rituellen Korrektheit.

Von Aegypten nach Rom

In der griechisch-roemischen Zeit wurde Anubis mit Hermes verbunden, weil beide als Fuehrer von Seelen galten. Aus dieser Verbindung entstand die Figur Hermanubis, die aegyptische und hellenistische Religion sichtbar miteinander verschmolz. Auch ausserhalb Aegyptens blieb Anubis deshalb praesent: auf Amuletten, Tempelreliefs und in magischen Texten des Mittelmeerraums.

Warum Anubis bis heute fasziniert

Anubis verkoerpert einen seltenen Typus von Totengott: nicht den grausamen Vernichter, sondern den stillen Begleiter. Er steht fuer Ordnung im Angesicht des Todes, fuer die Bewahrung des Koerpers und fuer den Gedanken, dass der Uebergang ins Jenseits geregelt und pruefbar ist. Gerade deshalb taucht er bis heute in Romanen, Filmen, Spielen und Fantasy-Welten immer wieder auf - als Schakalwache, Priesterfigur oder Richter an der Schwelle.